Technologie und Neurobiologie
So ruft jeder einzelne Eindruck in uns, augenblicklich, eine Kaskade physiologischer Reaktionen hervor, die von unserem Nervensystem als Impulse weitergeleitet werden.
Emotionale Prozesse zeigen ihre Auswirkung in unterschiedlichen Regionen des Körpers: im Herz-Kreislauf- und Atmungs-System, an der Haut, den Extremitäten der Muskelaktivität und viele andere mehr. Die Messung solcher Parameter ist zumeist einfach, da sie an der Körperoberfläche erfolgt.
Ein großer Vorteil solcher Messungen liegt in deren Objektivität. Die erfassten Körperreaktionen können in der Regel nicht beeinflusst werden, da es sich um automatisch ablaufenden psycho-physiologische Prozesse handelt. Daher sind sie weitgehend authentisch und ohne den Effekt dessen, was sozial wünschenswert ist.
Physiologische Messverfahren fokussieren häufig auf aktivierende, gedankliche oder affektive Prozesse, welche der gemessenen Person meist gar nicht bewusst sind. Selbst wenn die individuelle Fähigkeit der Selbstreflexion nur ungenügend ausgeprägt ist, können solche Art Messmethoden sehr aufschlussreich sein.
Da Körpersignale sehr dynamisch sind, eignet sich diese Methodik zur synchronen und temporären Messung von Körperreaktionen. Da die Messung gleichzeitig an das Erleben (Worte, Bilder, Gedanken, Emotionen etc.) gekoppelt ist, können verzerrende Effekte, wie z. B. ein bewusstes Nachdenken und Bewerten, weitgehend ausgeschlossen werden. Mit den Messungen können auch sehr feine Unterschiede, aufgrund der hohen Empfindlichkeit der Verfahren aufgedeckt werden.
Im wesentlichen können mit Hilfe solcher Messverfahren nur Zustimmung oder Ablehnung und gegebenenfalls die positive oder negative Wertigkeit oder "Gefühlsqualität", die ein Reiz oder eine Situation für eine Person hat, beschrieben werden: Dies entspricht der subjektive Bewertung, ob etwas als angenehm oder unangenehm, erstrebens- oder vermeidenswert empfunden wird.
Wissenschaftlicher Rahmen
Embodied Cognition
Kognitive Prozesse sind untrennbar mit körperlichen Zuständen verbunden. Gedanken sind daher keine rein abstrakten Ereignisse, sondern mit physiologischen Reaktionen gekoppelt. (Barsalou, 2008; Wilson, 2002).
Somatische Marker Hypothese
Emotionale und körperliche Reaktionen beeinflussen Entscheidungsprozesse wesentlich und fungieren als körperbasierte Bewertungssignale. (Antonio Damasio 1994, 1999)
Neuromuskuläre Modulation
Kognitive Zustände gehen mit messbaren Veränderungen im Muskeltonus einher (Cacioppo et al., 2000; Larsen et al., 2003).
Entscheidungsneurobiologie
Entscheidungen entstehen im Zusammenspiel von präfrontalem Cortex (Analyse), dem limbischem System (Bewertung) und autonomen Systemen (körperliche Reaktion). (Bechara & Damasio, 2005)
Emotion und Motorik
Psychophysiologische Prozesse können die isometrische Fingerkraft modulieren (Rathschlag, 2013)
Emotionale Modulation motorischer Erregbarkeit
Emotionale Stimuli modulieren die motorische Kortex-Erregbarkeit. Dies stützt die Annahme, dass emotionale Zustände messbare Auswirkungen auf die Muskelaktivität haben können. (Hajcak, G., et al., 2007)
Emotion & motorische Vorbereitung
Emotionale Zustände beeinflussen zentrale (kortikale) und periphere motorische Prozesse. (Coombes, S. A.et al., (2007)
Motorische Modulation durch präfrontale Netzwerke
Es gibt eine funktionelle kortiko-kortikale Verschaltung bei Entscheidungsprozessen, welche relevant für die motorische Output-Modulation ist. (Koch, G., et al., 2006).
Explorative Pilotuntersuchung
Eigene Pilot-Studien deuten auf einen statistisch signifikanten Zusammenhang zwischen kognitiver Fragestellung und motorischer Reaktion hin. Die Ergebnisse sollten in größeren Stichproben und unter kontrollierten Bedingungen wiederholt werden. (Eichner, 2023)
Test-Retest-Stabilität (Reliabilität)
Eine intraindividuellen Wiederholungsmessung (case study) mit QUESS-Q1.0 zeigt, dass die kurzzeitige Test–Retest-Stabilität über mehrere Tage moderat bis hoch ist. Die Ergebnisse sind als reliabilitätsbezogene Pilotdaten zu interpretieren und sollten in größeren Stichproben unter kontrollierten Bedingungen repliziert werden. (Eichner, 2026)
